Lücken im Lebenslauf: Was nun?


Angst, Druck, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch
Das Leben verläuft nicht immer nach Plan. Manchmal sieht m,an das dem Lebenslauf auch an, aber muß man sich deswegen Sorgen machen?

Es gibt Momente im Leben eines jeden Menschen, in denen man auf seinem beruflichen Weg eine Pause einlegen muss. Die Gründe dafür sind unterschiedlich – gesundheitlicher Zustand, familiäre Umstände, Umzug oder Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. All die möglichen Gründe stellen jedoch keinen Grund dar, sich für diese Zeit Vorwürfe zu machen oder gar zu schämen. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass jeder Mensch einzigartig ist, genauso wie sein Lebenslauf. Jeder von uns geht seinen individuellen Lebensweg und jede Lücke hat ihre Daseinsberechtigung.


Haben Sie Lücken im Lebenslauf und fühlen sich dadurch verunsichert? Kein Problem! Wir zeigen Ihnen, wie Sie vorgehen müssen, damit die Lücken zwischen Ihren Lebensstationen Sie nicht daran hindern, den gewünschten Traumjob zu bekommen.


Lücken im Lebenslauf professionell darstellen

Welchen Zeitraum kann man überhaupt als eine „Lücke“ bezeichnen? Im HR-Bereich wird eine Zeit bis zu zwei Monaten für die Suche einer neuen Arbeitsstelle als akzeptabel erachtet. Besonders in schwierigen Zeiten – während der Wirtschaftskrise oder Pandemie – sind mehrere Monate nicht kritisch. Jedoch wirft eine längere Pause (ab 6 Monaten) bereits eine Reihe von Fragen auf. Warum hat der Kandidat so lange nicht gearbeitet? Konnte er andere Arbeitgeber von sich nicht überzeugen? Stellt er zu hohe Anforderungen an die neue Arbeitsstelle?


In HR-Köpfen wächst die Befürchtung, dass die Person während der Pausenzeit ihre Qualifikationen und die Selbstdisziplin verloren haben könnte. Ihre Aufgabe ist es nun, die Personaler sowohl im Lebenslauf als auch im Vorstellungsgespräch davon zu überzeugen, dass dies nicht der Fall ist und dass die Zwangspause Ihre Professionalität sowie Kompetenzen in keinster Weise beeinträchtigt hat.


Ehrlichkeit zahlt sich aus


Resume, CV
Der Lebenslauf ist ein wichtiges Dokument ihrer beruflichen Laufbahn - seien Sie bitte Stolz darauf!

Immer wieder sieht man in den Lebensläufen, dass die Bewerber versuchen die vorhandenen Lücken zu verstecken, indem sie keine Monats-, sondern nur Jahresangaben machen.


Realität:

Firma X: 01/2018 – 06/2019

Firma Y: 11/2019 – 07/2021


Versteckte Pause:

Firma X: 2018 – 2019

Firma Y: 2019 – 2021


Die ausgelassene Monatsangabe versteckt die viermonatige Pause.


Auf den ersten Blick wirkt diese Schreibweise sehr verlockend. Dennoch ist es keine gute Idee. Spätestens in den Arbeitszeugnissen sind die genauen Zeiträume der Tätigkeiten angegeben und die Personaler können die versuchte Täuschung sehr leicht identifizieren.

Seien Sie jederzeit ehrlich und stehen Sie zu Ihren beruflichen Lücken. Unehrlichkeit ist keine gute Basis für ein Arbeitsverhältnis. Es gibt elegantere Lösungen, um die Personaler zu überzeugen. Sprechen Sie die Lücke proaktiv an und begründen Sie durchdacht die berufliche Pause. So zeigen Sie Ihre Professionalität und hinterlassen einen positiven Eindruck.


Stellen Sie Ihre Kompetenzen in den Vordergrund


Kompetenz, Erfolg, Klarheit, Struktur
Lenken Sie die Aufmerksamkeit der Leser auf die wesentlichen Dinge - Ihre Erfolge!

Wenn Sie in Ihrem Lebenslauf eine längere Lücke haben, empfehlen wir Ihnen den sogenannten Kompetenzen-Lebenslauf zu erstellen. Das bedeutet, dass Sie zunächst Ihre Soft Skills, Erfahrungen, Kompetenzen und abgeschlossene Projekte beschreiben, erst am Ende des Werdegangs kommt die chronologische Reihenfolge Ihrer beruflichen Stationen. Somit wird der potenzielle Arbeitgeber zunächst auf Ihre beruflichen Qualitäten aufmerksam und erst später sieht er die Lücken im Lebenslauf – der erste Eindruck ist immer der wichtigste.


Achten Sie beim Erstellen des Lebenslaufes, dass Sie Ihre Erfolge bei ehemaligen Arbeitgebern anhand von Zahlen und Fakten zeigen.


Beispiel: „Dank meinem stets motivierten Einsatz konnte ich XY Großkunden gewinnen und den Umsatz in meinem Gebiet um 25 % steigern“.


Für einen Recruiter sind Ihre Beispiele eine Bestätigung dafür, dass Sie höchstwahrscheinlich auch künftig erfolgreiche Ergebnisse für das neue Unternehmen erzielen werden.

Der Kompetenzen-Lebenslauf eignet sich außerdem gut für Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber oft gewechselt haben. Um nicht als unzuverlässiger Job-Hopper auszusehen, konzentrieren Sie sich bei der Lebenslauferstellung auf Ihre Fähigkeiten sowie erzielte Ergebnisse und nicht auf die Anzahl der beruflichen Stationen.


Finden Sie die richtigen Worte

Wenn die Unterbrechung zwischen den Jobs mehr als ein Jahr beträgt, sollten Sie diese Pause unbedingt im Lebenslauf oder im Anschreiben erläutern. Es ist gut, wenn Sie schreiben, dass Sie während der langen Suche nach einem neuen Arbeitsplatz Ihre freie Zeit zur Selbstentwicklung genutzt haben. Sprachen lernen, unbezahlte Praktika oder absolvierte Weiterbildungen und Online-Trainings kommen bei dem potentiellen Arbeitgeber gut an. Außerdem ist wichtig, im Schlusssatz Ihren Wunsch nach einer regulären Tätigkeit hervorzuheben.


Auch während des Vorstellungsgespräches sollten Sie versuchen Ihre „Karrierepause“ so detailliert wie möglich zu erklären. Eine leidenschaftliche Erzählweise über verschiedene Kurse, ehrenamtliches Engagement, neue Hobbys oder auch Reisen zieht an und macht deutlich, dass Sie auch während der erzwungenen Auszeit aktiv waren. Eine vage, gelangweilte oder gar fehlende Erklärung vermittelt dem Recruiter den Eindruck, dass Sie die ganze Zeit entspannt auf der Couch lagen und insgesamt unmotiviert durch das Leben gingen.


Kontroverse Angaben

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie schnell sich die berufliche Situation zum Negativen wenden kann. Aufgrund vieler betriebsbedingten Kündigungen und schlechten wirtschaftlichen Lage waren viele Menschen gezwungen, sich Jobs zu suchen, die außerhalb Ihres Fachgebietes lagen.


Wie geht man damit um, wenn man in der „Lücke“ als Freiberufler oder in einem komplett anderen Beruf gearbeitet hat?


Ob Sie diese Tätigkeit in Ihrem Lebenslauf angeben sollten oder nicht, hängt davon ab, inwieweit diese Beschäftigung sich von der gewünschten unterschieden hat und wie Sie persönlich damit umgehen. Wenn Sie als zuvor leitender Angestellter mehrere Monate gekellnert haben, sollten Sie gut abwägen, ob Sie diese Zeit in Ihrem Lebenslauf als Lücke lassen oder die Kellner-Tätigkeit angeben. Einerseits haben viele Recruiter ein gesundes, menschliches Verständnis und wissen, wie schwierig es manchmal sein kann, einen Job zu finden. Und dass der Kandidat in der Pause nicht untätig war, kann als Pluspunkt gewertet werden. Andererseits kann der Recruiter diese Tatsache negativ bewerten und es so auslegen, dass Sie keinen passenden Job aufgrund unzureichender Kompetenzen gefunden haben.


Ob Sie die anderweitige Tätigkeit angeben oder diese als Lücke im Lebenslauf stehen lassen, bleibt Ihnen überlassen. Wenn Sie die Beschäftigung in einem fremden Fachgebiet gut erklären und begründen können, dann spricht nichts dagegen, diese im Werdegang anzugeben.


Davon sollten Sie die Finger lassen


Betrug, Dokumentenfälschung, Erfindung
Fantastereien haben im CV nichts zu suchen - bleiben Sie bei der Realität

Füllen Sie die Lücken im Lebenslauf nicht mit irgendwelchen Jobs, die nie existiert haben. Einige Arbeitgeber führen Hintergrundprüfungen ihrer potenziellen Mitarbeiter durch – von der einfachen Recherche im Internet bis hin Referenzgesprächen mit den ehemaligen Arbeitgebern. Der Gesetzgeber verbietet zwar die Auskunft beim Ex-Arbeitgeber ohne die ausdrückliche Zustimmung des Bewerbers. Jedoch können Sie schnell in eine unangenehme Situation geraten, wenn der Recruiter Sie nach einer Referenzerlaubnis fragt.

Auch Erklärungen wie „Ich wollte mich eine Zeit lang zurückhalten“, „…von den Belastungen des vorherigen Arbeitsplatzes erholen“ oder „…über die zukünftigen Pläne nachdenken“ sind keine gute Lösung. Die Arbeitgeber wollen energische, stressresistente sowie motivierte Arbeitnehmer und nicht stets zum Philosophieren neigende Mitarbeiter haben. Der Recruiter sollte keine Zweifel an Ihrer Loyalität, Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft haben. Denn das Fehlen dieser Eigenschaften mindert Ihre Erfolgschancen viel stärker als die richtig begründeten Lücken in Ihrem Lebenslauf.


Fazit:

Die Lücken im Lebenslauf sind nichts Negatives, sollten jedoch jederzeit plausibel erklärt werden können. Bereiten Sie Antworten auf mögliche Fragen zu den Lücken in Ihrem Lebenslauf vor. Dies wird Ihnen helfen, sich sicherer zu fühlen. Wenn Sie beim Besprechen von Fragen zu Ihren Lücken ins Stolpern geraten oder nervös werden, wird es dem Gesprächspartner sofort auffallen und ihm wird klar, dass Sie etwas zu verbergen haben, auch wenn es nicht der Fall ist. Ihre Aufgabe ist es, während des gesamten Vorstellungsgesprächs energisch und positiv zu wirken. Stehen Sie zu sich und Ihrem Lebenslauf! Sie sind gut! So wie Sie sind!